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Die Wasserversorgung von Füssen - Teil 2

 

Wasser wird ein kostbares Gut - 1863 bis 1898

Von jeher bezog die Stadt Füssen ihr Trinkwasser aus den Quellen, die an den Hängen des Faulenbacher Tals entspringen. Da aber das Faulenbacher Tal dem Kloster St. Mang gehörte, brach immer wieder Streit über die Wasserrechte aus.

In hölzernen Deichelleitungen wurde das Wasser am Kobelhang und am Baumgarten entlang geführt. Vom Baumgarten zweigte eine Leitung in das Kloster, die andere führte direkt in die Stadt zum Stadtbrunnen. Er lag etwa an der gleichen Stelle heute.

Die Qualität und Quantität der Füssener Wasserversorgung ließ viel zu wünschen übrig. Die Sammelkästen, die das Wasser an den Quellen auffangen sollten, waren oft schadhaft. Dadurch war das Wasser mit Moos und Erde verschmutzt. Die Deichel lagen nur wenig unter der Erde, vor Hitze und Frost schlecht geschützt. So froren sie im Winter immer wieder ein. Die Verbindungen der einzelnen Rohre waren mitunter locker und das Wasser versickerte ungenutzt in der Erde.

Eine geplante Erneuerung der hölzernen Wasserleitung in den 1840er Jahren scheiterte an der Uneinigkeit von Stadtmagistrat und Gemeindebevollmächtigten, den beiden Gremien, die  nur gemeinsame Beschlüsse umsetzen durften.

Zu dieser Zeit verbreitete sich in der Wasserversorgung eine Neuerung: Man verwendete nicht mehr hölzerne, sondern gusseiserne Wasserleitungen. Sie waren dauerhafter, wasserdicht und fehlerfrei, außerdem auch billiger.

So begannen ab 1861 Verhandlungen wegen einer neuen gusseisernen Wasserleitung. Sie sollte in sechs Jahren gebaut werden und etwa 14000 Gulden kosten. Den Zuschlag bekam das  Königlich Württembergische Hüttenamt Wasseralfingen am 17.1.1862. Die neue Wasserleitung führte nicht mehr durch das Kloster, sondern direkt vom Baumgarten in die Stadt. Dafür wurde nördlich vom Kirchturm von St. Mang der Felsen abgesprengt.

1866 scheint die erste Wasserleitung fertig gewesen zu sein. 1868 erneuerte man die zweite hölzerne Leitung vom Baumgarten bis oberhalb von Faulenbach durch gusseiserne Röhren.

Das Wasser aus dem Faulenbacher Tal reichte nicht aus, um bei Brandgefahr die Stadt zu versorgen. So erfolgte 1873 der Beschluss, eine Feuerlöschleitung zu bauen, die Lechwasser von der Seilerwarenfabrik mit zwei dampfgetriebenen Pumpen in die Stadt liefern sollte.

Das Projekt sah vor, die Feuerlöschleitung an einem Drahtsteg über den Lech und in ein Hochreservoir im Hof des Hohen Schlosses zu führen, finanziert durch Immobilienverkäufe. 1875 verweigerten die Gemeindebevollmächtigten ihre Zustimmung zum Drahtstegprojekt, weil in absehbarer Zeit eine neue eiserne Brücke gebaut werden sollte, über die dann auch die Löschwasserleitung geführt werden konnte. Nachdem 1877 die neue eiserne Brücke fertiggestellt war, beauftragte man im Spätherbst 1877 den Ingenieur J. Widmann aus Kempten, die Leitungsrohre (zwei Löschwasserrohre und ein Trinkwasserrohr) unter dem Fußweg der Theresienbrücke entlang zu führen. 1878 wurde das Verteilernetz in die einzelnen Straßen gelegt und Hydranten aufgestellt. Der Glockengießer Theodor Wolfart in Kempten goss die Ansatzstücke für die Rohre, die Verteilkästen und die Hydranten. Die gusseisernen Rohre kamen wieder aus dem Königlich Württembergischen Hüttenwerk Wasseralfingen. Bis Biessenhofen wurden sie mit der Bahn transportiert, dann mit Pferdefuhrwerken.

Doch die Löschwasserleitung arbeitete nicht wie erwartet. Bei einem Brand dauerte es zwanzig bis dreißig Minuten, bis das Wasser bei den Feuerwehrspritzen ankam. Auch findet sich am 2. Februar 1880 die Notiz: „Die Röhren unter der Theresienbrücke sind trotz Umwicklung mit Teerstricken bei dem strengen Frost zersprungen.“ Wohl daraufhin wurden Bleiröhren bei Johann Attinger in Augsburg bestellt, die in eiserne Röhren eingeschoben wurden.

Die 1868 fertiggestellte gusseiserne Wasserleitung erfüllte die Erwartungen auch nicht lange. In einem technischen Gutachten  wurde 1891 festgestellt: „Das Straßenrohrnetz ist nur während des Sommers gefüllt, im Winter wird dasselbe entleert. Da eine vollständige Entleerung des Rohrnetzes wegen einiger vorhandener Strangsäcke nicht möglich ist, so ist die Oxydation der inneren Wandungen der Rohre außerordentlich begünstigt und sind jedenfalls schon bedeutende Rostbildungen und Schlammablagerungen vorhanden.“ Doch wegen des hohen Kostenaufwandes sah sich der Stadtmagistrat nicht in der Lage, eine Verbesserung herbei zu führen.

1892 schrieben deshalb viele Füssener Bürger eine Petition an die Stadtväter. Sie waren mit der Verzögerung bei der Wasserversorgung nicht einverstanden, weil „allseitig deren dringende Nothwendigkeit anerkannt ist, indem in jedem etwas strengen Winter das Wasser in der alten vorhandenen Leitung gefriert und somit Monate lang die meisten Brunnen kein Wasser geben“.

1893 wurde für das neu zu bauende Distriktkrankenhaus in Füssen ein Brunnen gegraben, dessen Wasser jedoch nicht  genießbar war. Darum bat das Königliche Bezirksamt, das Krankenhaus an die städtische Wasserleitung anschließen zu dürfen. Die Antwort des Stadtmagistrats am 6. Juni lautete: „…daß es uns zu unserem Bedauern nicht möglich ist, bei unseren gegenwärtigen Wasserbezugsverhältnissen den Wasserbedarf des Districtskrankenhauses aus der städtischen Wasserleitung abgeben zu können.“

In der Folgezeit wurde der Stadtmagistrat immer wieder durch das Bezirksamt gedrängt, sich des Problems mit der Wasserleitung anzunehmen. Beträchtliche Zuschüsse standen in Aussicht. Am 17. Juli 1895 beschloss man dann endlich, die neue Wasserleitung im nächsten Jahr zu beginnen. Dabei sollten die Hydranten auf die Trinkwasserleitung aufgesetzt werden, so dass die Probleme mit der Feuerlöschleitung behoben wären.

Im „Statut für die Benützung der städtischen Wasserleitung in Füssen“ wurde 1896 erstmals bestimmt, dass die Abgabe von Trinkwasser nur mit einem Wassermesser geschehen durfte und das bezogene Wasser bezahlt werden musste. Bis dahin floss das Wasser ununterbrochen aus den Wasserleitungen und Brunnen. Für die Hauswasserleitungen wurde ein pauschales Wassergeld erhoben, das Wasser aus den öffentlichen Brunnen war kostenlos.

1896 übernahm die Firma Mühlhofer und Pfahler in München den Bau der Wasserleitung. Die Rohre wurden tiefer in den Boden gelegt und besser vor Witterungseinflüssen geschützt. Nur zwei Zierbrunnen, der Rathausbrunnen und der Magnusbrunnen, behielten ständig laufendes Wasser, alle anderen Brunnen bekamen Ventile.

Um immer einen Wasservorrat für die Trink- und Löschwasserversorgung zu besitzen, plante der Stadtmagistrat ein Hochreservoir. Dazu wurde der Baumgarten angekauft. Architekt Beeckmann aus München fertigte 1897 den Entwurf für das Portal des Hochbehälters im Baumgarten, der dann vom Maurermeister Max Unhoch aus Schwangau ausgeführt wurde: „Die mir übertragenen Arbeiten am Portal des Baumgartenreservoirs habe ich mit größtem Fleiße und wohl zur Zufriedenheit ausgeführt. Mit welchen Schwierigkeiten und Arbeitsaufwand dies bethätigt wurde, glaube ich nicht anführen zu dürfen, da sich doch öfters einzelne Herren von einem sehr hoch zu verehrlichen Stadtmagistrat Füssen hiervon überzeugt haben.“

Am 25. April 1898 konnte die neue Wasserversorgung an die Bürgerinnen und Bürger übergeben werden.

Ruth Michelbach, Februar 2015

 

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