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Ein Rechnungsbuch aus dem Jahr 1717

Leben in Füssen vor 300 Jahren

Im vergangenen Herbst gelang es dem Kulturamt, drei Rechnungsbücher aus dem 18. Jahrhundert anzukaufen. Alle drei Bücher dienten der Verwaltung von Stiftungen in Füssen. Eins davon ist das Rechnungsbuch des Liebfrauenamtes von 1717/18, dem Jahr der Einweihung von St. Mang.

Dabei handelt es sich um ein dünnes Buch, etwas länger als A4-Format, verziert mit einem gemusterten Umschlag und einem kunstvoll ausgeschnittenen Titel. Darauf steht geschrieben:

Rechnung Vnser Lieben Frauen Capel Am Berg Zu Füssen Heilige Pfleger Von Georgy Anno 1717: biß Georgy Anno 1718 Geführt Von Heinrich Hueber BurgerMaister und Christian Fischer deß Gerichts der Zeith Verordnete Heyllige Pfleger

Das Büchlein enthält 26 Blätter, auf denen mit sauberer Handschrift die Einnahmen und Ausgaben dieser Stiftung verzeichnet sind. Das Rechnungsjahr begann und endete zu Georgi am 23. April. Der Stadtmagistrat bestimmte zwei Personen als Verwalter, im vorliegenden Jahr waren das der Bürgermeister Heinrich Hüber und Christian Fischer.

Stiftungen für Kirchen, in unserem Fall für die Frau-am-Berg-Kirche in der Tiroler Straße, waren im Mittelalter ein wichtiges Mittel, etwas für das eigene Seelenheil zu tun. Die Angst vor der Hölle trieb viele Menschen, die bange Frage zu stellen, die sich auch Luther stellte: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Durch die Stiftung für eine Kirche konnte für „ewige Zeiten“ eine jährliche Messe erkauft werden, die dem Seelenheil diente. Diese Stiftung entstand wahrscheinlich im Jahr 1311 durch Cunrat den Becherer, wie es die Urkunde Nr. 1497 im Klosterarchiv bezeugte. Durch Zustiftung entstand ein ansehnliches Kapital, das aus Grundstücken und Bargeld bestand.

Unser Rechnungsbuch verzeichnete als Einnahmen Pachtgelder für die verpachteten Grundstücke, Zinsen für ausgegebene Kredite und Gelder aus dem Kirchenstock. Dazu kamen auch Naturalien. Im Rechnungsjahr 1717/18 waren das 10 kg Butter, 3 Eier und 10 kg Flachs. Als Ausgaben standen dem gegenüber der Lohn für die Stiftungsverwalter, anteilige Löhne für Pfarrer, Lehrer, Vorsinger und Mesner. Daneben standen vergebene Kredite und Sachausgaben für Wein, Wachs und Kircheninstandhaltung. Die Naturalien wurden sehr wahrscheinlich an das Leprosenhaus weitergegeben, das gegenüber auf der anderen Seite der Tiroler Straße stand. Dort wohnten unheilbar kranke Menschen, die auf Almosen angewiesen waren. Aus diesem Grund zählte das Frau-am-Berg-Amt auch zu den milden, also wohltätigen Stiftungen, so vermutet der Heimatforscher Georg Guggemos.

Das älteste Rechnungsbuch des Frau-am-Berg-Amtes im Besitz des Stadtarchivs Füssen war bisher ein Band aus dem Jahr 1766. Dieses neu erworbene Buch ist um fast 50 Jahre älter und gewährt uns einen Einblick in das Leben zur Zeit des Neubaus von Kirche und Kloster St. Mang.

Ruth Michelbach, Januar 2017

 

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