Stadt Füssen | Lechhalde 3 | 87629 Füssen
+49 8362 - 903-146
+49 8362 - 903-201

Johann Michael Christa

Johann Michael Christa, der Erbauer des Lechkanals am Lusalten (1757-1816)

Durch eine Spende von zwei Archivalien für das Stadtarchiv Füssen ist es möglich geworden, Einblicke in das Leben des Zimmermeisters Johann Michael Christa zu gewinnen. Er war der Erbauer des Lechkanals durch den Felsen am Lusalten.

Die erste Archivalie ist ein Bericht, aus vier Blättern bestehend, in dem Christa zuerst einen kurzen Lebenslauf schreibt, um anschließend ausführlich über den Kanalbau am Lech zu informieren.

Wir erfahren von Vater Andreas, der Zimmermeister war. Dieser Beruf hatte Tradition in der Familie, denn auch Großvater Michael, der von Deutenhausen stammte, Onkel Martin und dessen Sohn Joseph Benedikt übten diesen Beruf in Füssen aus. So lag es nahe, dass Johann Michael ebenfalls den Beruf des Zimmermanns erlernte. Er schreibt: „Anno 1773 habe ich das Zimmerhandtwerck angefangen… Anno 1781 hat mich mein Vatter in die Fremde gelassen, welches aber nich mer als ein halb Jahr gedaurt.“

Johann Michael Christas Wanderschaft als Handwerksgeselle wird durch die zweite Archivalie wunderbar dokumentiert. Hierbei handelt es sich um eine Handwerkskundschaft, ein Zeugnis seiner Tätigkeit in Freiburg im Breisgau. Sie besagt, dass er zwei Wochen bei Obermeister Johannes Scherer gearbeitet hatte. Datiert ist die Urkunde mit dem 24. „Brachmonath“, das ist Juni 1781. Auf der Rückseite erfahren wir, dass er am 26. Juni 1781 das Stadttor von Straßburg passierte. Dazu schreibt Christa in seinem Lebenslauf: „In Strasburg habe ich die kunstreichiste Mihlen und in der Schweiz die schönste Brugen gesechen.“

Mit neuen Erkenntnissen und Ideen kehrte er nach Füssen zurück. „Wie ich nach Haus gekommen bin, hat man gleich auf mein Einratten einne Mihlle an den Lussaltten zu bauen einnen Augenschein gehabt, wobey der Nig auch war und mir meinnen Forschlag, einnen Cannal under dem Felsen zu minieren ausgelacht und zu nichts gemacht.“ Maurermeister Benedikt Nigg (1724-1816) besaß in Füssen großes Ansehen, denn er hatte 1779 die Lechbrücke erneuert und dabei steinerne Fundamente in den Lech gesetzt. „Das Werkholz an dieser Brugge hat M. Christa, Zimmermeister gemacht und war ein Meisterstück von einem jungen Mann“, so beschreibt es der Chronist Mang Seelos. Schon bei diesem Bau hatte es Differenzen zwischen Nigg und Vater und Sohn Christa gegeben. Die Auseinandersetzungen mit Benedikt Nigg sollten auch den gesamten Kanalbau begleiten.

Der Mühlenbau war eine Idee des bischöflichen Beamten Propst Rösch, so meint Johann Michael Christa. Vergeblich hatte Rösch versucht, vom Birkenbichl Trinkwasser nach Füssen zu leiten und damit unabhängig vom Kloster zu werden. Doch dieses Vorhaben mißlang, obwohl viel Geld dafür ausgegeben worden war. „Dem Administrattor glostette [gelüstete] immer in seinnem Herze einne Mihle zu bauen und mid dem die Schartte bei dennen Burger heraus zu wezen, welche er mit dem Brunnen werck in dem Biercken Bichel, so etlich taussent Gulden gekostet, fergeblich und umsonst gemacht hat.“

Die vordere und die hintere Mühle standen auf der linken Seite des Lechs unterhalb vom Kloster St. Mang. Mühlsteine sind noch heute am Faulenbachgässchen zu sehen. Durch Hochwasser waren diese Mühlen immer wieder gefährdet. Das verheerende Hochwasser von 1761 hatte mehrere Fachleute veranlasst, Pläne für eine bessere Wasserführung zu den Mühlen auszuarbeiten. Einer dieser Lechbaupläne lässt sich im Museum der Stadt Füssen anschauen. Alle Pläne gingen davon aus, dass die Mühlen am linken Ufer stehen mussten, wo das Wasser eine starke Strömung besaß.

Johann Michael Christa hingegen, „ein junger und geschickter Mensch“, wie ihn der Knopfmacher Schmid in seiner Chronik beschreibt, äußerte den neuartigen Vorschlag, auf dem Lechgries Mühlen zu bauen. Weil dort das Wasser fehlte, wollte er durch einen Felskanal einen Teil des Lechs zum Gelände führen. Diese Idee fand geteilten Anklang. Der meiste Widerstand kam von Stadtbaumeister Benedikt Nigg. „Endlich hat der Nig den Administrattor wider zimlich auf seinne Seitten gebracht und anno 1784 ein Model von Gibs gemacht, … alwo er das Wasser auswendig an dem Felsen hat wollen her fiehren.“ Doch diese Idee wurde als zu teuer verworfen. Um Kosten zu sparen, versuchte Benedikt Nigg nun, nur durch einen Teil des Felsens einen Kanal zu sprengen. „Und hat gleich angefangen und 4 Mohnat gesprengt. Und nichts ausgericht…“ Daraufhin wurden Bergmänner von Burgberg bei Sonthofen angefordert, die den Stollen nach den Angaben von Johann Michael Christa tiefer durch den Felsen sprengten. Diese Niederlage konnte Baumeister Nigg nicht auf sich sitzen lassen und klagte Propst Rösch und Johann Michael Christa bei der Regierung in Dillingen an. Nun begutachtete eine Kommission das Werk, „welche mier nichts ferwerfen kuntte an dem Wuehr und an der Tieffen des Canals…“, aber fast 150 Gulden kostete. Doch gerade in diesem Jahr führte der Lech wieder Hochwasser und die Wassermassen rissen den von Christa gebauten Wehrkasten heraus. Das war bitter für Johann Michael. „Die Burger schmechte [schmähten] in allen Wirths Heisser iber mich. Wan ich aber dar zu kam, sagt kein Man kein Wort.“ Der Fehler lag darin, dass der Kanal nicht dem ursprünglichen Plan von Christa gefolgt war. Nun aber ließ er auch den letzten Teil des Kanals durch den Felsen sprengen und 1787 war das Werk vollendet.

Auf dem Lechgries wurden in den nächsten Jahren etliche Mühlen gebaut, von denen Johann Michael Christa die Mahl- und Schneidmühle sowie die Papiermühle und die Hammerschmiede errichtete. Auch der Pfarrhof in Ruderatshofen, gebaut 1791, zählt zu seinen Werken. „Solches alles hab ich gebaut und Got sey Dank, was mich anbelangt, ohne Unglük.“

Ruth Michelbach, Februar 2017

 

 

© alle Fotos Stadtarchiv Füssen

Kontakt

Frau Ruth Michelbach
Stadt Füssen
Stadtarchiv
Lechhalde 3
87629 Füssen
Tel. 08362/903-186
Fax 08362/903-201
Kontaktformular

Die Räume des Stadtarchivs liegen in unterschiedlichen Bereichen des Rathauses. Deshalb ist ein telefonischer Kontakt in jedem Fall ratsam, um Zeit- und Treffpunkt für einen Besuch zu vereinbaren.