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Alfed Köpf wird Ehrenbürger der Stadt Füssen

Rede zur Ehrenbürgerschaft von Herrn Alfred Köpf am 13.01.10 von Erster Bürgermeister Paul Iacob

Gemäß Art. 19 der Gemeindeordnung sowie § 1 der Satzung über Auszeichnungen und Ehrungen durch die Stadt Füssen vom 22.03.1978 hat der Stadtrat in seiner Sitzung vom 26.05.2009
beschlossen, Herrn Alfred Köpf die Ehrenbürgerwürde zuzusprechen.

„Das Ehrenbürgerrecht wird verliehen für außerordentliche Verdienste um die Stadt Füssen oder für besondere und außergewöhnliche Leistungen auf dem kulturellen, sozialen oder wirtschaftlichen Bereich, die das Wohl oder das Ansehen der Stadt Füssen gemehrt haben.“

Die Ehrenbürgerschaft wird im Rahmen einer feierlichen Stadtratsitzung verliehen, zu der ich Sie, sehr geehrte Damen und Herren, recht herzlich begrüße. Im Besonderen freue ich mich, Herrn Alfred Köpf und seine Frau, Fanny Köpf, unter uns begrüßen zu dürfen.

Das Ehrenbürgerrecht geht, geschichtlich gesehen, in seinem Ursprung auf die französische Revolution zurück. Die erste deutsche Stadt war Saarbrücken, die im Jahr 1790 diesen Ehrentitel verliehen hat. Unser neuer, zu ehrender Mitbürger, war nie ein Revolutionär - bezogen auf Frankreich, sondern er fand seine politische Heimat im Wertkonservativen des Allgäus.

Geboren im Frühjahr des Jahres 1928, durfte Alfred Köpf die Volksschule besuchen und begann danach die Schreinerausbildung. Als einer der letzten Jahrgänge musste auch er im Dezember 1944 bis Mai 1945 in den Krieg. 1945 im Mai wurde er bis November 45 in Gefangenschaft genommen. Heimgekehrt, betätigte er sich wieder in seinem Beruf, bildetet sich weiter und konnte im Jahr 1955 die Meisterprüfung ablegen.

Im gleichen Jahr erfolgte auch sein Eintritt in die Selbständigkeit mit seiner eigenen Schreinerei.

Das Große Glück seines Lebens fand er 1954 durch die Heirat mit seiner Frau Franziska.

Neben seinem beruflichen und familiären Engagement schlug sein Herz immer für den Sport. So war er für den EV Füssen nicht nur aktiver Spieler, sondern auch Vorstandsmitglied, um später, im Jahr 1975, sogar die Curlingabteilung in Füssen zu gründen. Nicht nur das Eis, auch das Wasser im Segelclub oder das rote Spielfeld im Tennisclub - was später sogar mit weiteren Investoren zum Bau der Tennishalle führte - faszinierte den Alfred Köpf.

Auch sein Beruf war nicht nur Tätigkeit im Sinne von Arbeit, er sah sich aufgefordert, Wissen und handwerkliche Fähigkeiten weiter zu vermitteln.

Ca. 170 Lehrlinge absolvierten bei Alfred Köpf ihre Ausbildung. Nicht wenige sind heute in ihrem eigenen Betrieb tätig.

In Anerkennung seiner beruflichen Leistungen im Handwerk erhielt er verschiedenste Ehrungen, unter anderem 1994 die Ernennung zum Ehrenobermeister der Schreinerinnung oder den Ehrenteller des schwäbischen Handwerks.

Nachdem Sport, Selbständigkeit und Familie unseren Alfred Köpf zu wenig forderten, erkannte er im Jahre 1965 in der CSU eine weitere Möglichkeit, seine noch verbleibende Zeit zu investieren und wurde bereits im darauffolgenden Wahljahr 1966 in den Stadtrat der Stadt Füssen gewählt.

42 Jahre, bis zur Kommunalwahl im Jahr 2008 hatte er ohne Unterbrechung dieses Ehrenamt inne.

Vier Bürgermeister durfte er erleben. Jeden mit einer anderen Handschrift, mit verschieden Schwerpunkten und Eigenheiten. Köpf überlebte sie alle, politisch gesehen.

Sein Ideenreichtum war für seine Stadt, unsere Stadt, gut und wichtig, war bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2008 ungebrochen. Mit seiner Hartnäckigkeit, „ein Allgäuer Stur-Grind“, wie einer seiner Bekannten sagte, machte er es auch sich, vor allem aber seiner Familie nicht immer einfach.

Ich erinnere an die Anekdote, als er kurzfristig, schnell aus der Werkstatt raus nach Bonn fuhr, ohne Geld in der Tasche, um seine Autobahn, die heutige A7 im Bereich des Landkreises dort durchzufechten.

Apropos Landkreis: Auch dort durfte Köpf nicht fehlen. Denn als Kreisrat vertrat er die Interessen des Südens von 1978 bis zum Jahr 1996.

„Haudegen und Visionär der Kommunalpolitik“, so bezeichnete die Allgäuer Zeitung in einer Ausgabe im Jahr 1998 den heute zu Ehrenden. Diese Titulierung erhält Alfred Köpf bezüglich eines Resümees seiner Aktivitäten und seines Einsatzes für die Stadt und wurde mit dem Goldenen Ehrenring geehrt.

Vieles, was wir heute als selbstverständlich akzeptieren, trägt seine Handschrift.

Ob Fußgängerzone oder Nordumgehung B 310, aber auch der Erhalt und Neubau der Berufschule sowie des Gymnasiums oder der Zweckverband mit vier verschieden Nachbargemeinden zur Abwasserbereinigung.

Nicht alles wurde realisiert, was in seinem Repertoire steckte.
So zum Beispiel die Verlegung des Bahnhofes nach Westen oder der Alpen-Nationalpark.

Aber was nicht ist, kann noch werden. Politik braucht eben Geduld, um Ideen mit Mehrheiten und Verständnis umzusetzen und zu realisieren. Es war Dir, lieber Alfred möglich, für Deine Ziele und Ideen Begeisterung und Mehrheiten zu wecken.

Es ist Dir gelungen, die Bürgermeister Deiner Ära für die Sinnvolligkeit dieser Vorhaben zu gewinnen.

Eines, das möchte ich Dir aus eigener Erfahrung als Stadtratskollege über 24 Jahre bescheinigen, dass Deine Arbeit geprägt war durch Toleranz und Verständnis, dennoch hast Du sie mit großer Leidenschaft vertreten.
Du bist, wie du selber sagtest, kein Mann der großen Worte, aber dein Handeln und Engagement war für uns alle vorbildlich.

Aus diesem Grund hat der Stadtrat der Stadt Füssen in seiner Sitzung vom 26.05.2009 beschlossen, Alfred Köpf die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.