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Zeitungsberichte

Mit freundlicher Empfehlung des Allgäuer Zeitungsverlages

 

21.11.2007 Seite 25


Trend: Im Alter zu Hause wohnen Senioren-Konzept Speziell für den Ort entwickeln - Auftaktveranstaltung in Füssen

Füssen l hs l Schon heute sind 40 Prozent der Füssener 52 Jahre und älter - und die Zahl der Älteren und Alten wird weiter zunehmen. Es zeichnen sich tiefgreifende Änderungen ab, auf die Füssen reagieren muss. Das ist eine zentrale Zukunftsaufgabe, sagte Bürgermeister Christian Gangl bei der Auftaktveranstaltung für das Senioren-Konzept Füssen - Heimat im Alter. Mit Unterstützung der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung soll gemeinsam mit Stadtrat, Experten vor Ort und den Bürgern ein für Füssen maßgeschneidertes und umfassendes Konzept entstehen. Ein Thema: Wohngemeinschaften für Senioren.

An der demographischen Entwicklung kommt Füssen nicht vorbei. Derzeit leben 3300 Senioren, die 65 Jahre und älter sind, in der Stadt - bis zum Jahr 2030 wird ihre Zahl auf 4300 ansteigen. Die Lebenserwartung steigt und es ist kein Ende abzusehen, sagte Diplom-Soziologe Dieter Kreuz von der Arbeitsgruppe. Er stellte die Daten aus Füssen vor, die für das Konzept erhoben wurden (siehe Info-Block). Demnach wird vor allem die Zahl der 75- bis 85-Jährigen erheblich zunehmen - und diese werden überwiegend zu Hause wohnen wollen.

Welche Wohnformen im Alter sich anbieten, darüber informierte Gerontologin Sabine Wenng mit Blick auf bayernweite Entwicklungen. Die Ära, wo man Landschaften mit Pflegeheimen zugepflastert hat, muss überdacht werden, sagte sie unserer Zeitung. Dies sei auch gar nicht mehr finanzierbar. In Zukunft werden Wohnformen wie Betreutes Wohnen zu Hause, gemeinschaftliche Wohnprojekte und ambulant betreute Wohngemeinschaften zunehmen. Ob und wo sich solche Wohnformen für Füssen anbieten, das soll in den nächsten Wochen und Monaten bei der Erarbeitung des Senioren-Konzeptes geprüft werden. Man wolle kein Konzept von oben verordnen, sondern es von unten aufbauen, versicherte Wenng: Es muss speziell zu Füssen passen. Daher werde man die Bürger, die Experten vor Ort und den Stadtrat einbinden. So ist beispielsweise Anfang nächsten Jahres eine Umfrage unter älteren Füssenern vorgesehen.

Im Zuge des Senioren-Konzepts wird auch geklärt werden müssen, wie es mit dem Bürgerspital weitergeht - das ist nach wie vor strittig (siehe weiteren Bericht). Generell waren die Besucher der Veranstaltung aber mit den ersten Informationen zufrieden: Es gibt vielfältige Betreuungsmöglichkeiten, wir sollten den Markt der Möglichkeiten nutzen, meinte beispielsweise Brigitte Protschka.

Die Zahl der 75- bis 85-Jährigen nimmt deutlich zu

In Füssen leben derzeit 2777 Menschen im Alter von 60 bis 75 Jahren (Bevölkerungsanteil: 19,1 Prozent). Dazu kommen 1119 75- bis 85-Jährige (7,7 Prozent) und 548 über 85-Jährige (3,8 Prozent). In zehn Jahren wird die Anzahl der 75- bis 85-Jährigen massiv zunehmen - um etwa die Hälfte, wie aus einer Bevölkerungsprognose hervorgeht. Auf ihre Bedürfnisse soll vor allem im Senioren-Konzept eingegangen werden.

Für die alten Menschen steht in Füssen bereits ein sehr vielfältiges Angebot zur Verfügung, stellte die Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung fest. Es reicht von Altenheimen und stationärer Pflege, ambulanter Versorgung bis hin zu Tages- und Kurzzeitpflege. Ein Riesenangebot gibt es beim Betreuten Wohnen mit demnächst über 150 Wohnungen. Auch offene Angebote von VdK, AWO, Rotes Kreuz, den Kirchen und der Sozialstation gibt es.

Allerdings stieß die Arbeitsgruppe bei ihren Erhebungen auch auf Defizite. Hier wurden genannt:
- fehlende Barrierefreiheit
- gerontopsychiatrisches Pflegeangebot
- Betreuungsangebote für Demenzkranke (Tagespflege, auch stundenweise zur Entlastung Angehöriger)
- Informationsangebot für Ältere und Angehörige
- Wohnungen mit Betreuung für Bürger mit niedrigem Einkommen
- Dienstleistungsangebote für Ältere

Fazit der Arbeitsgruppe:
- Vor allem die Gruppe der 75- bis 85-Jährigen wird zunehmen. Da diese Menschen überwiegend zu Hause leben wollen, werden entsprechende Angebote benötigt. Etwa Betreutes Wohnen zu Hause.
-Ein großer Bedarf zeichnet sich auch bei Angeboten für demenzkranke Personen ab.
- In der stationären Pflege ist kein zusätzlicher Bedarf an Pflegeplätzen erkennbar.

Allerdings entspricht ein Teil der Plätze nicht mehr dem gegenwärtigen Standard, hier besteht Handlungsbedarf.
Nächste Schritte für das Konzept sind eine Umfrage unter Senioren sowie Workshops. (hs)

22.11.2007 Seite 33


Im Alter hilft die Familie

Text/Bilder: Werner Hacker

Der demographische Wandel bereitet Kopfzerbrechen. Mit dem Projekt Füssen - Heimat im Alter sollen jetzt gemeinsam mit den Senioren vernünftige Modelle für Leben und Wohnen entwickelt werden (unsere Zeitung berichtete gestern). Bürgerinnen und Bürger der Generation 60+ fragten wir: Wo und wie stellen Sie sich ihre Zukunft vor? Ist Ihre Familie oder sind Freunde für Sie da?

Manfred Kunkel, Füssen: Ich bin vor 68 Jahren in Pfronten geboren und wohne jetzt in Füssen. Derzeit und auch in Zukunft muss ich mir keine Sorgen machen, obwohl ich zu 80 Prozent behindert bin. Meine Kinder leben in Pfronten und bei ihnen kann ich später bestimmt unterkommen. Im Haus ist genug Platz und die Familie könnte mich betreuen. In meiner Wohnung in Füssen bin ich eher selten. Gleich kommt mein Bus, ich fahre wieder auf Besuch nach Pfronten.

Kreszenzia Demmler, Lechbruck: Bei uns ist es ähnlich wie früher mit dem bäuerlichen Austragshäuschen. Ich bin vor ungefähr zehn Jahren in eine schöne kleine Wohnung in unserem Haus gezogen, in dem auch mein Sohn wohnt. Noch kann ich mich gut selbst versorgen, aber man weiß ja nicht, was in einem Jahr ist. Wenn die Situation einmal kommen sollte, dass ich professionelle Pflegeleistungen benötige, sprechen wir in der Familie bestimmt darüber. Das ist heute noch kein Thema!

Hermine Edel, Füssen: Meine Familie lebt in Spanien. Ich wohne schon lange sehr zufrieden in Füssen-West. Dort fühle ich mich wohl. Meine Freundin ist gerade ins Betreute Wohnen gezogen. Wir besuchen und helfen uns gegenseitig. Das funktioniert bei uns beiden noch immer gut. Wir verstehen uns sozusagen als gute alte Freundinnen prächtig. Jetzt machen wir uns bei einem Stadtbummel einen schönen Nachmittag. Ich will nicht hoffen, dass ich einmal 100 Jahre alt werde.

Edmund Kuhn, Füssen: Meine Frau und ich leben glücklich zusammen und uns beiden geht es auch gesundheitlich gut. Ich bin stolz, dass ich eine junge Frau habe und hoffe, dass sie mich später versorgt. Das wird sie auch ganz sicher aus Liebe für mich tun. Das Betreute Wohnen halte ich für eine ausgezeichnete Idee. Dass jetzt das Projekt Füssen - Heimat im Alter angestoßen wurde, habe ich in der Zeitung gelesen. Es ist gut, dass man sich über dieses Thema Gedanken macht.

Klaus Rogalla, Füssen: Wir waren früher in Frankfurt, wollten aber nach dem Berufsleben zurück nach Bayern. Vor drei Jahren sind meine Frau und ich nach Füssen gezogen. Unsere Kinder leben anderswo und haben eigene Familien. Ich bin jetzt 67 Jahre alt. Wenn es in späteren Jahren nur um die bessere Alltagsbewältigung oder die Normalpflege geht, können meine Frau und ich uns gegenseitig behilflich sein. Bei Schwerstpflegefällen muss man akzeptieren, in ein Heim zu kommen.

31.01.2008 Seite: 35

Die Meinung der Bürger ist gefragt Seniorenkonzept Gestern 2200 Fragebögen verschickt - Wünsche berücksichtigen

Füssen l hs l Heute dürfte jeder zweite Füssener, der 60 Jahre oder älter ist, Post von der Stadt Füssen im Briefkasten finden. Denn die Kommune hat gestern 2200 ältere Bürgerinnen und Bürger angeschrieben mit der Bitte, anonym einen Fragebogen zum Seniorenkonzept Füssen - Heimat im Alter auszufüllen. Die Bürger selbst sollen in die Entwicklung des Konzepts eingebunden, ihre Vorstellungen und Wünsche berücksichtigt werden. Von den Bürgern für die Bürger fasst Bürgermeister Christian Gangl diese Vorgehensweise zusammen.

Derzeit leben 3300 Senioren, die 65 Jahre und älter sind, in der Stadt - bis zum Jahr 2030 wird ihre Zahl auf 4300 ansteigen. Und damit auch die Zahl derjenigen, die Unterstützung und Hilfe benötigen, schreibt Gangl. Für den Bürgermeister ist es die zentrale Zukunftsaufgabe zu klären, wie die Stadt auf diesen demografischen Wandel reagieren soll. Mit dem Konzept Füssen - Heimat im Alter will er unter Einbeziehung der Senioren die richtige Antwort auf diese Frage finden. Eine Auftaktveranstaltung fand dazu bereits statt (wir berichteten), nun folgt die Fragebogen-Aktion. Erarbeitet wurde der Fragebogen von der Münchner Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (AfA), die gemeinsam mit Stadtrat, Experten vor Ort und den Bürgern ein für Füssen maßgeschneidertes und umfassendes Konzept entwerfen soll.

Es geht nicht mehr allein um die Zahl der Pflegeplätze wie in früheren Jahren, sagt Diplom-Soziologe Dieter Kreuz von AfA. Wenn Sie heute eine Umfrage unter Senioren machen, wollen 95 Prozent weiter zu Hause wohnen. Das muss man ernst nehmen. Deshalb werde man bei dem umfassenden Seniorenkonzept auch besonderen Wert auf Wohnformen im Alter legen.

Was wird aus dem Bürgerspital?

Ein Thema dabei wird auch das Bürgerspital sein. Der Erhalt des Spitals ist gesichert. Die Frage ist nur, welches genaue Angebot es dort für Senioren in Zukunft geben wird, sagt Bürgermeister Gangl. Im Fragebogen können die Senioren mehrere Möglichkeiten für die künftige Nutzung des Spitals - zum Beispiel als Wohn- und Betreuungsangebot für finanziell schwächere Bürger - ankreuzen oder eigene Ideen vorschlagen.

Bis zum 15. Februar sollen die Fragebögen per Brief oder direkt in einer Wahlurne im Bürgerbüro wieder abgegeben werden. Zirka vier Wochen, so Diplom-Soziologe Kreuz, werde die Auswertung dauern. Anschließend sollen die Ergebnisse der Umfrage der Öffentlichkeit vorgestellt werden.